mein Zeugnis
Ich war immer eine Suchende. Ich suchte nach Halt, einem Zuhause, einem Ort, an dem ich einfach ich sein durfte.
Ich flüchtete mich in den Gruppenzwang, in der Hoffnung auf ein bisschen Anerkennung. Ich flüchtete mich in Beziehungen, weil ich mich nach Geborgenheit sehnte. Ich zog von Ort zu Ort, um irgendwo ankommen zu können. In meiner Jugend schloss ich mich einer Gruppe von Jungs an. Ich fand es aufregend, herauszustechen, und bekam viel Aufmerksamkeit. Doch diese war an Bedingungen geknüpft. Also gab ich mich früh dem Alkohol hin und ließ mich dazu drängen, immer mehr zu trinken.
Die Sucht nach dem Gefühl von Anerkennung war größer als mein Verlangen nach Kontrolle – also gab ich sie ab. Ich nahm regelmäßig Drogen und ließ mich auf Gelegenheitssex ein. Dabei verlor ich mich selbst immer mehr. Ich wollte cool sein, dazugehören, ich wollte gemocht werden – ich wollte jemand sein.
Mit 18 Jahren bin ich von zu Hause ausgezogen. Selten hat es sich wie eins angefühlt, selten war ich dort. Es war nie ein Ort an dem ich mich wohlgefühlt habe. Mit Beginn meiner ersten Ausbildung fing ich an zwischen zwei Städten zu pendeln. Ich war immer seltener zu Hause und mit 18 zog ich dann gänzlich weg. Da fühlte ich mich das erste Mal frei. Ich war auf mich alleine gestellt, musste niemanden Rechenschaft ablegen. Ich fühlte das erste Mal den Anflug des Gefühls Ich selbst sein zu können. Aber dieses Gefühl hielt nicht lange an. Ich war immer unzufrieden mit meiner Wohnung, stellte ständig die Möbel um und versuchte mir ein Nest zu bauen. Einen Ort in dem ich endlich ankommen und zur Ruhe kommen wollte. Als ich dann schließlich dachte endlich in zufrieden zu sein, zog ich zu meinem ersten Freund.
Der Start in meine Beziehungen war stets verknüpft mit großen Erwartungen und endete oft mit einem gebrochenen Herzen. Mit jeder neuen Beziehung hatte ich wieder neue Hoffnung, und all diese projizierte ich auf den jeweiligen Partner. Er sollte ein Loch in mir füllen, das mein vorheriger Freund schon nicht füllen konnte. So hielten meine Beziehungen nie lange. Und ich zog wieder von Ort zu Ort. Tief in mir war oft eine Leere, die ich nicht benennen konnte. Egal, wie viel Aufmerksamkeit ich bekam, sie hielt nie lange an. Sobald ich wieder alleine war, kamen die gleichen Gedanken zurück: dass ich nicht genug bin und irgendwo nicht richtig dazugehöre.
Meinen Weg zu Jesus fand ich an einem Ort, an dem ich nicht sein wollte – wegen eines Umstandes, gegen den ich vermeintlich vergeblich kämpfte. Während eines Reha-Aufenthaltes war ich nahe der österreichischen Grenze, genau genommen eine halbe Stunde Fußweg entfernt. Dort gab es ein entzückendes Café im Stil der 20er Jahre. An dem Tag, an dem ich beschloss, mich anzunehmen und mich selbst auszuführen, traf ich einen Mann, der auf mich zukam. Er sprach nicht viel, er wollte nicht viel. Alles, was er wollte, war, mir ein Buch zu schenken. Irgendetwas in mir bewegte mich dazu, dieses Geschenk anzunehmen.
Das Buch hatte den Titel: „Allmächtig? Ohnmächtig? Gerecht?“ von Gerhard Padderatz.
„Warum lässt Gott das Leid zu, wenn er liebevoll und allmächtig ist? Kann man ihm vertrauen?“
Diese Fragen und noch viele andere werden im Buch vom Autor im Dialog während eines Nachtflugs erörtert. Aber bitte, lies das Buch unbedingt selbst. Mich hat es auf jeden Fall sofort gefesselt, und ich las es bereits im Café. Von da an begleitete es mich jeden Tag.
Es ließ mich hungrig werden: Wer war Gott? Wer ist Jesus? Kann man ihm wirklich vertrauen? Gibt es ihn wirklich?
Ich lud mir Apps herunter, kaufte mir Bücher und ließ mich sogar in alte, verstaubte Facebook-Gruppen einladen – ich wollte mehr wissen.
Und dann, eines Tages, viele Monate nach dieser Begegnung, hatte ich den Impuls, auf die Knie zu gehen und Jesus mein Leben zu geben. Es hatte immer ihm gehört. Noch während ich mich durch Bücher wälzte und durch Apps klickte, fing ich an, mich besser zu fühlen. Ich begann wieder zu arbeiten, erkundete die Stadt, in der ich bereits über ein Jahr wohnte, aber bisher nicht wirklich „gelebt“ hatte. Ich lernte Freunde kennen, fand eine Gemeinde und erblühte nach und nach immer mehr. Es war kein plötzlicher, perfekter Wandel, aber etwas in mir begann sich grundlegend zu verändern. Ich durfte erkennen, dass mein Wert nicht von Menschen abhängt, sondern dass er in Gott liegt. Dass ich nicht perfekt sein muss, es nicht brauche und es auch gar nicht sein kann – und trotzdem angenommen bin.
Ich durfte verstehen, dass Jesus mich zuerst geliebt hat. Dass er sein Leben für mich gegeben hat, damit ich frei sein darf. Nicht, weil ich es verdient habe, sondern aus Gnade. Und genau darin habe ich zum ersten Mal echten Frieden gefunden.
Jetzt ziehe ich nicht mehr von Ort zu Ort, weil ich in Gott Heimat gefunden habe.
ein Date mit mir...
hier ein paar Eindrücke von dem Tag in Österreich:
